Matching Mole bestanden nur ein knappes Jahr (Herbst 1971 bis Herbst 1972). In dieser Zeit spielten sie zwei Studioalben ein, gaben eine stattliche Anzahl von Konzerten und nahmen mehrer Sessions für die BBC auf. Eine davon war ein Auftritt in der Serie "BBC Radio 1 Live In Concert", die anderen waren Studiosessions im Rahmen der Sendungen "Top Gear" und "Sounds Of The Seventies".
Die 2006 bei Hux Records erschienen CD "on the radio" versammelt nun das noch vorhandene BBC-Material von Matching Mole. Die zweite Hälfte des Albums beinhaltet den Live-Mitschnitt für "BBC Radio 1 Live In Concert" vom 27. Juli 1972. Diese Stücke sind bereits vor einigen Jahren auf CD erschienen (siehe "BBC Radio 1 Live in Concert"), welche aber schon lange gestrichen ist. Die restlichen Nummern entstammen verschiedenen Peel-Sessions, und zwar vom 17. Januar 1972 (Track 2), vom 25. Januar 1972 (Track 5), vom 24. März 1972 (Tracks 3 und 4) und schließlich vom 9. Juni 1972 (Track 1). Die Klangqualität des Albums ist recht wechselhaft. Das lange, dreiteilige erste Stück ist in stereo und klingt hervorragend. Die restlichen Sessions haben nur Monoqualität, und wurden teilweise aus dem Radio mitgeschnitten, was für einen etwas muffigen, deutlich rauschenden Klang sorgt. Die Live-Nummern sind auch mono, klingen aber ansonsten einwandfrei (von ein paar Knarzern abgesehen).
Das meiste hier zu findende Material stammt vom zweiten Album der Band ("Little Red Record") und wurde vom Quartett Wyatt, MacRae, Miller, MacCormick eingespielt. Ähnliches findet man auch, in vergleichbarer bis besserer Soundqualität, auf den beiden Archivscheiben "Smoke Signals" und "March", die 2001 und 2002 bei Cuneiform Records veröffentlicht wurden. Interessant und neu sind dagegen die beiden Sessionaufnahmen vom Januar 1971. Hier wird nicht nur Material vom Debütalbum der Gruppe geboten, sondern es ist zudem noch Dave Sinclair dabei, der der Musik einen deutlichen Caravan-Einschlag verleiht (welcher sich vor allem in seinem typischen, schleifenden Orgelklang äußert).
Sein Geld wert ist das Album auch wegen der Session vom April, die wirklich einen sehr guten Klang hat. Ansonsten ist, was Matching-Mole-Archiv-Scheiben anbelangt, eine gewisse Redundanz auszumachen. Jeweils zweimal wird hier z.B. "Instant Pussy" und "Lithing And Gracing" geboten, welche auch jeweils auf den schon erwähnten Cuneiform-Scheiben zu finden sind. Die wirklich einmaligen Nummern - die mit Sinclair - haben leider einen etwas bescheidenen, wenn auch ganz ordentlichen Klang.
Soft-Machine- und Wyatt-Freaks, Canterbury-Komplettisten und diejenigen, die die Studioalben von Matching Mole schätzen, werden und können hier zuschlagen. Wenn ich nur ein Archivalbum der drei existierenden empfehlen müsste, wäre ich in einem ziemlichen Dilemma. Keine der Scheiben ist wirklich perfekt, auch wenn jeweils tolle Musik geboten wird. Robert Wyatt meint aber zu "on the radio": "This album most perfectly encapsulates what Matchinge Mole was about." Und auch Kollege MacCormick (der den umfangreichen Beihefttext verfasst hat) stimmt ihm zu. Nun denn, wer teilweise Abstriche bezüglich der Klangqualität machen kann, der sollte sich zusätzlich zum Debüt wohl auch dieses Album von Matching Mole zulegen. Wunderbar musiziert wird hier und zudem gibt es viel Klang fürs Geld!